Achtung Abzocker

Privatsphäre & Datenschutz

Achtung Abzocker

Wenn aus dem Geburtstagsgeschenk die große Rechnung wird

Natürlich freute sich Max, als ihm sein E-Mail-Anbieter zu seinem 18. Geburtstag ein großzügiges Geschenk anbot: Als Dankeschön für seine Treue erhielt er von GMX einen Monat lang kostenlos den so genannten Premium Access: 10 GB Speicherplatz für seine E-Mails – dafür war nur ein kleines Häckchen unter den kleingedruckten AGB notwendig. 

Die Geburtstagsgeschenke und Treuebeweise, die kostenlose E-Mail-Provider wie GMX, WEB.de oder Freenet ihren Kunden regelmäßig anbieten, sind vermeintlich gratis. Opfer dieser Abzocke ist auch Max geworden. Der will sich die Gemeinheit aber nicht gefallen lassen und empfiehlt: Wenn gar nichts mehr geht, zum Rechtsanwalt gehen!

 

Redaktion: Du bist Opfer einer Abzocke von GMX geworden. Wie ist das passiert?

Max:  Als ich mich letztes Jahr an meinem Geburtstag in meinen E-Mail-Account eingeloggt habe, hat GMX mir vorgeschlagen, einen Monat lang kostenlos den Premium Account zu nutzen. Das habe ich direkt angenommen, denn 10 GB Speicherplatz zu haben, fand ich schon ganz gut.

Redaktion: Wie ging es weiter?

Max: Ein oder zwei Monate später habe ich eine Rechnung von GMX bekommen – über 17,45 Euro. Offenbar hatte ich automatisch einen Jahresvertrag für den Premium Access abgeschlossen, obwohl ich ihn ja nur einen Monat lang testen wollte. Irgendwo im Kleingedruckten bei den AGB hat das wohl gestanden.

Redaktion: Hast du den Betrag gezahlt?

Max: Ja, ich bin zwar erst mal erschrocken, habe dann aber gezahlt. Kurz danach habe ich bei GMX angerufen und gesagt, dass ich das Jahresabo eigentlich nicht haben wollte und gerne kündigen möchte. Daraufhin sagten die Leute von GMX mir, dass das erst dieses Jahr im August ginge. Vor einem Monat habe ich schon wieder eine Rechnung erhalten, über 34 Euro. Ich habe vergessen, das Geld zu überweisen, bis plötzlich ein Brief vom Inkassobüro mit einer Forderung kam.

Redaktion: Wie hast du darauf reagiert?

Max: Die Forderung steht noch offen. Ich habe erst einmal ein Fax an GMX geschickt, in dem steht, dass sie mit ihren Angeboten an die Kunden eine linke Abzocke betreiben. Denn es ist rechtlich verboten, derartige Konditionen nur im Kleingedruckten mitzuteilen.

Redaktion: Was wirst du tun, wenn GMX bei seiner Forderung bleibt?

Max: Dann schalte ich den Rechtsanwalt ein! Das steht auch in dem Fax.

Hast du etwas Ähnliches erlebt? In unserem kostenlosen Anwalts-Chat kannst du jeden Donnerstag zwischen 17 und 18 Uhr deine Fragen stellen!

Coole Webseiten oder TV-Werbespots versprechen fantastische Angebote: kostenfreie SMS, IQ-Test, Hausaufgabenhilfe, Download-Seite u.s.w.!

....und dann kommt eine Rechnung?

Ein paar Wochen später kommt dann aber das dicke Ende! Eine Rechnung trifft ein, teilweise über einige Hundert Euro! Du hättest angeblich einen Vertrag abgeschlossen und müsstest jetzt zahlen!

Der Trick der SMS-Abo-Abzocker ist noch hinterhältiger. Obwohl du kein Abo bestellt hast, buchen dir unseriöse Firmen plötzlich jede Woche Beträge zwischen einem und zehn Euro ab, was du vielleicht am Anfang gar nicht bemerkst!

Deshalb: Bist du Opfer eines Abzockers geworden? Dann nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern reagieren! Häufig brauchst du nicht bezahlen! Wir haben dir Tipps und Anleitungen erstellt, wie du dich wehren kannst!

 

 

Lass dich nicht einschüchtern!

Damit überhaupt ein rechtsgültiger Vertrag zwischen dir und dem Anbieter (in diesem Fall der Abzocker) zustande kommt, müssen verschiedene Anforderungen erfüllt worden sein.

  1. Der Anbieter muss dich klar und deutlich über anfallende Kosten informieren! Es reicht nicht aus, die Kosten irgendwo im Kleingedruckten zu verstecken!
  2. Der Anbieter muss dich über dein 14-tägiges Rücktrittsrecht informieren! Auch diese Information muss klar und deutlich für dich sein!
  3. Du musst volljährig sein, damit ein Vertrag überhaupt rechtskräftig wird. Ansonsten ist der Vertrag "schwebend unwirksam", bis deine Eltern zustimmen. Tun sie das nicht, ist der Vertrag unwirksam.

Das Geschäft mit der Angst

Abzocker erwirtschaften teilweise jährlich einige Millionen Euro mit ihren fiesen Tricks. Einige dieser Abzocker versenden jede Woche Tausende Rechnungen an die Opfer. Einige zahlen sofort, andere weigern sich.

Zahlst du die Rechnung nicht, drohen die Internetabzocker mit weiteren rechtlichen Konsequenzen:

  • Rechtsanwalt
  • Inkassobüro
  • Mahnbescheid
  • Schufa-Eintrag

Lass dich bitte nicht einschüchtern! Das ist eine fiese Masche und die Abzocker leben vom Geschäft mit der Angst!

Schritt 1: Prüfe die Rechnung!

Überprüfe, ob die Rechnung von einem seriösen Unternehmen oder von einem Abzocker stammt, wenn du dir nicht sicher bist, ob es sich um einen Internetabzocker handelt oder nicht!

Beispiel: Du hast eine Rechnung der Firma Content Services, Ltd. aus Mannheim für die Nutzung der Webseite www.opendownload.de erhalten. Du bist dir nicht sicher, ob die Rechnung rechtens ist. Dann verschaff dir erste Informationen über eine Google Suche:

 

Klick auf folgenden Hyperlink und bewerte das Ergebnis:

http://www.google.de/#hl=de&source=hp&q=%22opendownload%22&aq=f&aqi=g10&aql=&oq=&gs_rfai=&fp=7d85378b60ccd519

Schritt 2: Widersprich der Rechnung!

Haben die Internetabzocker deinen richtigen Namen und Adresse? Dann sollten du oder deine Eltern unberechtigte Forderungen schriftlich abwehren.

Lass dir bitte keine Angst einjagen, auch wenn die Abzocker dann mit Rechtsanwälten, Inkassobüros, Schufa-Einträgen und Mahnbescheiden drohen!

Wir haben hier zwei vorformulierte Antwortschreiben zum Download bereitgestellt. Lade das entsprechende Schreiben einfach herunter, fülle es gemeinsam mit deinen Eltern aus (sofern du noch nicht volljährig bist) und sende es per Einschreiben mit Rückschein ab.

Download Antwortschreiben für Minderjährige

Download Antwortschreiben für Volljährige

Schritt 3: Immer noch unsicher?

Seid ihr − also du und deine Eltern − euch nicht sicher, ob es sich wirklich um einen Abzocker handelt, dann informiert euch entweder über eine Verbraucherschutzzentrale oder mithilfe einer auf Internet-Abzocke spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei.

Wir arbeiten in diesen Fällen mit der Kanzlei Berberich, Friedrich, Schmucker & Partner zusammen. Die Kanzlei hat eine eigene Fachabteilung für Internetrecht.

 

Kontaktdaten:

Kanzlei Berberich, Friedrich, Schmucker & Partner

Ansprechpartner: Rechtsanwältin Nina Hamann-Herzog

Anschrift: Hetzelgalerie 2, 67433 Neustadt an der Weinstraße

Telefon: 0 63 21 / 39 93 0

Telefax: 0 63 21 / 39 93 33

E-Mail: kanzlei(at)bfs-nw(dot)de

Internet: www.bfs-nw.de

 

Hilfe im Rechtsanwalts-Chat

Jeden Donnerstag ab 17:00 Uhr steht dir im Chat ein Rechtsanwalt für Fragen kostenfrei zur Verfügung.

Klickt einfach hier: Anwalts-Chat

Hast du ein falsches Geburtsdatum angegeben?

Das Landgericht Mannheim hat in einem Urteil vom 12.05.2009, Az. 2 O 268/08 klargestellt, dass die Internetabzocker-Firma (in diesem Fall die Content Services, Ltd. aus Mannheim) Minderjährigen nicht mit einer Strafanzeige wegen Betrugs drohen darf, falls sie bei der Anmeldung ein falsches Alter angegeben haben.

Viele Abzocker wenden einen einfachen Trick an, um dich zu "nötigen", ein falsches Geburtsdatum einzugeben!

Christin betreut:
Privatsphäre & Datenschutz